Dr. Brant Cortright, amerikanischer klinischer Psychologe und Professor für integrative Psychologie,
präsentiert in seinem Buch Ganzheitliche Hilfe bei Ängsten Depressionen, Demenz einen tiefgreifenden Ansatz, der bei der Behandlung von Depressionen
psychotherapeutische, spirituelle und körperbasierte Methoden vereint. Cortright betont, dass Depressionen nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern als Ausdruck eines Ungleichgewichts auf
mehreren Ebenen – psychisch, emotional, körperlich und spirituell. Sein Werk richtet sich sowohl an Therapeut:innen als auch an Betroffene und verbindet moderne Neurowissenschaft mit
traditionellen Heilungspraktiken.
Warum Antidepressiva nicht die Lösung sind
Antidepressiva heben den Spiegel bestimmter Neurotransmitter und beeinflussen die Stimmung (obwohl sie nur in weniger als 50 Prozent der Fälle wirksam sind). In manchen Fällen sind sie durchaus wichtig und eindeutig nützlich, und wenn sich der Zustand des Betroffenen über einige Monate oder Jahre hinweg stabilisiert hat und er emotional besser versorgt ist, kann er sie absetzen, ohne einen Rückfall in die Depression zu erleiden. Bei den meisten Patienten vermindern die Antidepressiva lediglich vorübergehend deren Symptome. In manchen Fällen gewöhnt sich das Gehirn an das Antidepressivum und bildet weniger Neurotransmitterrezeptoren, sodass bei langfristiger Einnahme eine chronische Depression entstehen kann.
Ganzheitliche
Sichtweise
Cortright kritisiert die Reduktion von Depressionen auf Neurotransmitter-Ungleichgewichte (z. B. Serotoninmangel) oder genetische Veranlagung. Stattdessen sieht er sie als Folge komplexer
Wechselwirkungen zwischen:
Trauma und unbewussten Mustern: Unverarbeitete emotionale Wunden oder frühe Bindungsstörungen.
Körperlicher Gesundheit: Chronischer Stress, Entzündungen oder mitochondriale Dysfunktion (Energiemangel in Zellen).
Spiritueller Leere: Fehlender Sinn oder Verbindung zu einem größeren Ganzen.
Neuroplastizität und
Heilung
Das Gehirn ist laut Cortright formbar, und depressive Muster können durch gezielte Interventionen „umverdrahtet“ werden. Er kombiniert Erkenntnisse der Neurobiologie mit Methoden
wie:
Achtsamkeitsmeditation: Zur Regulation des Nervensystems und Unterbrechung negativer Gedankenschleifen.
Herz-Kohärenz-Training: Atemtechniken, um emotionale Stabilität zu fördern.
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Zur Traumaverarbeitung.
Tiefenpsychologie und Innere Arbeit
Cortright integriert Konzepte von C.G. Jung, wie die Arbeit mit dem „Schatten“ (unterdrückte Persönlichkeitsanteile) oder Träumen, um unbewusste Konflikte aufzudecken. Er betont die Bedeutung
von:
·
Selbstmitgefühl bei strenger Selbstkritik (Treiber von
Depressionen).
·
Inneres Kind-Heilung durch
Rückverbindung mit verletzten kindlichen Anteilen.
· Sinnfindung - Depression ist Signal für ungelebtes Potenzial und Leiden, die eine spirituelle Krise auslösen
Körper-Geist-Integration
Folgende körperlicher Prozesse beinflussen die Psyche:
Entzündungen chronisch erhöhte Entzündungsmarker (z. B. CRP) korrelieren mit depressiven Symptomen.
Darmgesundheit Cortright verweist auf Mikrobiomungleichgewichte und empfiehlt
Probiotika sowie entzündungssenkende Ernährung.
Energiemanagement mitochondriale Unterstützung durch Nährstoffe wie Coenzym Q10,
Magnesium oder B-Vitamine.
Bewegung: genügende Bewegung ist ist ein wichtiger Bestandteil der Depression Therapie
James Greenblatt, ein integrativer Psychiater, hat ausführlich über die Bedeutung der Physiolgie, der Ernährung und der Vitalstoffe für die Behandlung der Depression in seinem Buch "Integrative Therapies for Depression" geschrieben.
Die spirituelle Dimension
Cortright argumentiert, dass Depressionen oft eine „Seelenmüdigkeit“ oder existenzielle Leere widerspiegeln.
Er schlägt vor:
·
Verbindung zur Natur als Quelle der Erdung und Freude.
·
Transpersonale Psychotherapie Meditation, Kontemplation oder holotropes Atmen, um
transzendente Erfahrungen zu integrieren.
·
Dienst am Anderen Sinnstiftung durch altruistische
Handlungen.
Koenig et al. führten eine umfassende Untersuchung über Religion und psychische Gesundheit durch und kam zu dem Ergebnis, dass Religiosität mit einem geringeren Maß an Depressionen verbunden ist.
Therapeutische
Ansätze
Cortright plädiert für eine kombinierte Therapie, die je nach Bedarf folgende Elemente einbezieht:
· Psychodynamische Therapie: Aufdeckung unbewusster Konflikte.
·
Körpertherapie: Yoga, Tai Chi oder TRE (Trauma Release Exercises) zur Lösung von
gehaltenen Spannungen.
· Relationale Heilung: Sicherer therapeutischer Beziehungsraum als Korrektiv zu frühen Bindungsverletzungen.
·
Nährstoffergänzungen: Z. B. Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D oder adaptogene Kräuter
(Ashwagandha, Rhodiola) bei Stressfolgen.
Kritik an
konventionellen Ansätzen
Cortright hinterfragt die oft oberflächliche Symptombekämpfung durch Antidepressiva oder reine Verhaltenstherapie. Seiner Ansicht nach vernachlässigen diese Ansätze die tieferen seelischen und
spirituellen Bedürfnisse. Er warnt jedoch vor einer pauschalen Ablehnung von Medikamenten – sie können in akuten Krisen entlasten, sollten aber Teil eines umfassenden Plans sein.
Fazit
Die Ganzheitliche Hilfe bei Depressionen* ist ein inspirierender Leitfaden, der zeigt, dass Heilung von Depressionen mehr erfordert als die Reparatur eines „kaputten“ Gehirns. Cortrights Stärke
liegt in der Synthese aus Wissenschaft, Psychologie und Spiritualität, die den Menschen als multidimensionales Wesen begreift. Das Buch ermutigt dazu, Depression nicht als Feind, sondern als
Wegweiser zu tieferer Ganzheitlichkeit zu sehen. Es richtet sich an alle, die bereit sind, Heilung als aktiven, selbstermächtigenden Prozess zu gestalten – jenseits schneller
Patentlösungen.
Literatur
Brant Cortright, Ganzheitliche Hilfe bei Ängsten, Depressionen, Demenz
H.G.König und Mitarbeiter, Handbook of Religion and Health, 2012
James Greenblatt, Integrative Therapies für Depression
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